Daniel
28.10.2009 | Wuhan, Tag 5
11:00 Uhr morgens, und nichts schreit mich an.

Was ist da los in China?! Hier war doch immer alles so laut, als ich das letzte Mal hier war. Wuhan scheint da anders zu sein. O.K.- am, für Mitteleuropäer undurchschaubaren, Verkehr hat sich nichts geändert. Außer, dass hier nicht jeder meint, das Vorhandensein einer Hupe an seinem Auto zwinge ihn, selbige auch ständig zu benutzen sobald er fährt. Wir haben heute frei. Wie auch die nächsten Tage, aber heute ist der erste freie Tag, den man auch als solchen empfindet.

Gestern war unser zweites und leider diesmal auch letztes Konzert, und die folgenden Tage werden wir nutzen, um uns Wuhan und Peking noch mal ganz genau anzuschauen... Ich werde heute gleich mal damit anfangen: Der Tag steht zur "freien Verfügung" und meine Bandkollegen frönen unterschiedlichsten Dingen wie Songschreiben, Fotos machen, Souvenirs kaufen, etc.. Ich wiederum werde zusammen mit Oli und Piotrek, unserem Backliner, sowie den Kollegen von Tele zu einem Park fahren, der auf einer Insel liegt. Gesagt, getan.

Unser Hotel ist so groß, dass es eine eigene Bushaltestelle verdient zu haben scheint. Jedenfalls fährt der Bus genau gegenüber unserem Foyer ab. Für umgerechnet 20 Cent fahren wir ca. eine halbe Stunde. Hallo!? Hat die Rheinbahn mitgelesen? Wir fahren für 20 Cent eine halbe Stunde Bus!! Für 20 Cent fährt man in Deutschland leider nirgendwo mehr hin und erst recht nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln... Wie dem auch sei. Am See angekommen setzt unsere recht große Reisegruppe über, und die Entscheidung für Motorboot oder Ruderboot fällt bei der augenscheinlichen Größe des Sees nicht sonderlich schwer.

Am Zielort angekommen, stellt sich die Frage, ob wir für umgerechnet 4 Euro pro Person anlegen und in den Park gehen, oder für 2 Euro einen etwas "inoffiziellern" Eingang in den Park wählen. Zu diesem Zeitpunkt wird uns natürlich leider nicht mitgeteilt, dass man wenn, man sich für Variante 2 entscheidet, auf etliche Sehenswürdigkeiten verzichten muss. Deutsch veranlagt, wie unsere Reisegruppe nun mal unweigerlich ist, entscheiden wir uns für die billigere Alternative. Zum Glück!!

Die Sehenswürdigkeiten begrenzen sich auf Affen, die irgendetwas tun, was unser Übersetzer leider nicht ins deutsch übersetzten kann (oder will). Und so kommen wir (sparsam wie wir nun mal sind) in den Genuss, mal wieder in China Rodelbahn zu fahren. Ein Wahnsinnsspaß!! Zurück an der Talstation wird von unserem Booker Ben , der ebenfalls dabei ist, ein Nachmittagsmahl bestellt.

Da er der chinesischen Sprache genauso unmächtig ist, wie der chinesische Gerichteverkäufer der deutschen, wird die Bestellung zu einer Stand-Up Comedy-Show sondergleichen. Ich muss jedoch mit Respekt festhalten, dass nach der Zuhilfenahme eines Taschenrechners zumindest Einklang über den Preis herrschte, den wir für unser Essen zu zahlen hatten. Nach einem hervorragenden Reisgericht wird die Heimreise ins Hotel angetreten. Busfahrt, Fahrt über den See, Rodelbahn und die Risikowahl des Essens sind aber auch in der Tat genug für einen Tag China.

Nach einer kurzen Regenerationszeit auf dem Hotelzimmer geht es, diesmal um die bis hierher fehlenden Bandkollegen erweitert, sofort weiter zum "Hotpot"-Essen. Ich habe in der Vergangenheit bereits erwähnt, dass sich mein Interesse für überscharfes Essen in Grenzen hält.

Ich muss jedoch zum zweiten Mal in China feststellen, dass eine gewisse Süchtigkeit nach scharfem Essen auch von meiner Seite nicht von der Hand zu weisen ist. Man muss nur beachten, dass man nicht sofort mit den Speisen für hart Gesottene einsteigt. Nähert sich man dem Thema "chinesische Schärfe" in einer Zeit von 20 Minuten, ist man auch in der Lage, Speisen zu sich zu nehmen, die einer Betäubung des Mundraums bei einem in Deutschland ansässigem Zahnarztes ähneln.

Der Abend endet (wie so ziemlich jeder bei unserem Aufenthalt in Wuhan) in der Churchbar. Lange ging es mal wieder, und nachdem, neben etlichen anderen, auch unser Pele zum zweiten Mal sein Soloprogramm auf der "Open Stage" zum besten gab, konnte man ein weiteres Mal glückselig ins chinesische Hotelbett fallen.

Wuhan, wir mögen Dich!!

 

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