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26.10.2009 | Wuhan, Tag 4: Unser zweites Konzert
Es scheint immer wärmer zu werden in Wuhan, obwohl auch hier nun langsam der Herbst Einzug halten müsste. Aber der morgendliche Blick aus dem Fenster auf den Jangtse und die Stadt verrät schon, dass auch der heutige Sonntag wieder sommerlich heiß werden würde.

Der Weg zum Soundcheck führt durch den Park vor dem Hotel. Hier wird sonnenbeschirmt flaniert und ausgiebig den sonntäglichen "Parkaktivitäten" gefrönt, die wir schon in Shenyang bestaunt haben: Gymnastik, Kartenspielen, Musizieren, Drachensteigenlassen und vielem mehr.
Vor der Bühne stehen schon jetzt - um 11.30 Uhr - annähernd 300 Menschen, die gespannt und geduldig unseren Soundcheck verfolgen und scheinbar jede noch so banale "Bewegung" mit Fotoapparaten und Videokameras festhalten. Beim obligatorischen Anspielen der einzelnen Instrumente erntet sogar jeder von uns stürmischen Beifall;) Und während wir "Soundchecken", laufen im Hintergrund über die riesige LED-Wand Einspielfilmchen zu allen vertretenen Künstlern: Bei uns haben sich lustigerweise neben den Auschnitten aus KLEE-Videos auch einige Sequenzen aus Ralley-Zeiten "eingeschlichen"! Eine nette und ehrenvolle Überraschung!; ) Die Vorzeichen für den heutigen Abend, an dem wir als letzte auftreten werden, stehen also schon mal nicht schlecht. Die Zeit bis dahin verbringen wir - wie könnte es anders sein - mal wieder mit Essen. In unserem neuen kleinen Lieblingsrestaurant, gleich um die Ecke vom Hotel, in einer Straße voller Garküchen und Imbiss-Stände, bestellen wir inzwischen Vertrautes, entdecken aber auch heute wieder ganz neue Köstlichkeiten und sind begeistert von der Qualität und Vielfalt der chinesischen Küche.

Begeistert sind wir auch von dem, was uns am Abend dann an der Bühne "geboten" wird: ein Menschenmeer, so weit das Auge blickt. Wahnsinn! Dazu eine Atmosphäre, die, trotz der wirklich schier unglaublichen Menge an Personen, ausgelassen und absolut friedlich ist. Es mischen sich Alt und Jung, ohne jede Drängelei, in für uns kaum vorstellbarer Eintracht und Freundlichkeit. Die ganze Szenerie wird so getragen von einer ganz wunderbaren positiven Stimmung. Wir genießen jeden Augenblick. Auch hinter der Bühne im Backstagebereich. Denn auch das Organisations-Team ist einfach nur spitze. Wir fühlen uns wie auf einem großen Familienfest. Unser Auftritt dann gegen 22 Uhr ist mit Worten kaum wiederzugeben. Wenn es keine Fotos gäbe, käme es einem sicher vor, als hätte man nur geträumt: die tausenden Hände, die sich uns entgegenstreckten, die strahlenden Gesichter von ganz vorn am Bühnenrand bis weit hinter den FOH-Turm, wo Oli mit dem Mischpult steht, den Klang, den tausende mitsingende Stimmen bei "Mo li Hua", unserem chinesischen Lied, machen, den man zwar nicht fotografieren kann, aber unauslöschlich im Ohr behält. Das sind wirklich unvergesslich schöne und bleibende Eindrücke.

Backstage gab es dann später nicht nur unseren schönen Auftritt zu feiern, sondern auch einen weiteren Geburtstag, und zwar den von Francesco von Tele. "Traditionell" schon mittlerweile ging es dann geschlossen zur "Church Bar", wo ebenfalls "traditionell"  nun jede Nacht gefeiert, musiziert und gejammt wird. Den Auftakt heute machte unser Pele, als er gegen 2 Uhr den ehemaligen Altarplatz, der nun eine opulent dekorierte Bühne ist, betrat und frisch drauf los spielte: alte Astra-Kid Songs und auch Stücke aus seinem "Pele Caster" Programm. Begleitet wurde er spontan von Martin Fleischer, dem Kulturattaché des Goethe-Instituts, am Bass. Felix Hoffmeyer von "Drone" an den Congas und Ralf Brendle am Akkordeon. Eine fürwahr exotische, aber tolle Combi...äh..Combo..; )

Auch Tele ließen sich nicht lumpen, und Francesco gab sich selbst ein nachträgliches Geburtstagsständchen, inzwischen war es nach vier... Wir beschlossen aber, bis Fünf durchzuhalten, denn Elisa und Katharina mussten um 5.30 zum Flughafen und da machte es keinen Sinn , ins Bett zu gehen. Wir wollten sie aber natürlich gebührend verabschieden und so gab es im Morgengrauen vor dem Hotel eine große tränenreiche Verabschiedungszeremonie, wohl wissend, dass wir uns ganz sicher wiedersehen werden, und während die beiden ins Taxi stiegen, fielen wir der Reihe nach erschöpft aber glücklich in unsere Betten.

 

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