Heute wollen wir die gelbe Kranichpagode besichtigen. Dafür müssen wir auf die andere Seite des Jangtse. Für uns Kölner sozusagen auf die "Schälsick". Wir haben uns für eine Überfahrt mit der Fähre entschieden.
Bei schönstem Sonnenschein setzten wir über. Es war abenteuerlich zu sehen, wie wir uns zwischen den großen Schiffen und den kleinen ursprünglichen Fischerbooten den Weg zum anderen Ufer bahnten. Vorbei an der modernen Skyline von Wuhan, der ersten Brücke, die über den längsten Fluss Chinas gebaut wurde, und dem künstlich geschaffenen Land, dort, wo der Han Fluss in den Jangtse mündet.
An der Kranichpagode angekommen erfuhren wir, dass der Turm seine Berühmtheit durch den Dichter Cui Hào erlangte, der seinerzeit, im achten Jahrhundert, das Gedicht mit dem Namen "Huanghe-Turm" schrieb. Wir erfuhren auch, dass der ehrfurchtsvolle Turm aufgrund der Bauarbeiten zur ersten Brücke über den Jangtse abgerissen wurde und in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts (genau 1985) wieder errichtet wurde. Maßstabsgetreu. Wir sind trotzdem die 51 Meter hoch ins 5. Stockwerk geklettert und hatten eine wundervolle Aussicht auf Wuhan und die Umgebung.
Die vielen chinesischen Besucher des Gebäudes schienen sich nicht nur für die Pagode und ihre Geschichte zu interessieren, sondern anscheinend war ich genauso eine touristische Attraktion. Ich weiß nicht genau, ob ich an dem Tag nicht einmal mehr fotografiert wurde als der gelbe Kranich. Was aber wohl nicht nur an meiner abendländischen Erscheinung lag, sondern an der Kombination aus Langnasenfrau mit rotem Kleid und roten Schuhen. Rot steht in China für Glück, Freude und Wohlstand. Hans erklärte mir, dass rot die Farbe des chinesischen Frühlingsfestes oder Neujahrsfestes ist und es ein Sprichwort gibt, was in der Übersetzung viel Raum für eigene Interpretation zulässt: "Rot, Rot, Feuer, Feuer."
Apropos Feuer, nach der Sightseeingtour hatten wir alle mächtigen Durst, und auf dem Weg in ein chinesisches Restaurant durchquerten wir eine Straße, an der rechts und links kleine Garküchen dampfende und duftende Speisen angeboten wurden. Elisa und Katharina stoppten das ein oder andere Mal und kauften kleine Snacks. Zuckersüße Klebreisbällchen am Spieß, eingelegter Stinke-Tofu, der mit einer Art Mixedpicklesaroma versehen war und Waffeln in Fischform mit einer schwarzen Bohnenfüllung.
Im Restaurant angekommen stellten wir fest, dass es dort gar nicht die Wuhaner Spezialität namens "Reg an mian" gab. Machte aber nix, denn die Kellnerin bot uns an, die "Hot Dry Noodles", wie sie auch genannt werden, in einem anderen Geschäft zu kaufen, und wir könnten sie in ihrem Restaurant essen. In China ist alles möglich. Die Nudeln wurden uns gebracht, und mit ihnen kam das Feuer. In Form einer höllenscharfen, schwarzen Sesamsoße, die sich etwas mehlig und zäh um die weichen dicken Nudeln klebte. Köstlich!
Auf dem Weg zurück zur Fähre hörten wir wieder laute handgemachte Musik auf der Straße. Diesmal war es keine Feierlichkeit zu Ehren eines Verstorbenen, sondern eine schnöde Shoperöffnung. Trotzdem wurden wir magisch angezogen und schauten dem Treiben zu, als der Schlagzeuger plötzlich Daniel aufforderte, sein kleines Schlagzeug zu spielen. Daniel rannte rot angelaufen davon, und so wurde ich von der Sängerin aufgefordert, mit ihr zu tanzen. Sie spielten extra ein Lied für uns. Nach einer Minute bildete sich eine Menschentraube bis auf die viel befahrene Straße. Das war ein großer Spaß.
Lustig war es wohl auch, als sich Pele kurz darauf ein Shampoo kaufen wollte. Er dachte sich, am besten gehe ich in einen Frisiersalon, und als er mit Händen und Füßen anzeigte, was er wollte, verstanden die Friseure nur, dass er sich die Haare waschen lassen wollte. Als er das verneinte, wollte man ihn föhnen. Aber schlussendlich hatte Pele dann doch Erfolg und kam ohne neuen Haarschnitt und mit einer Literflasche Shampoo glücklich aus dem Salon.
Auf dem Weg zurück zur Fähre lief uns doch tatsächlich Ralf aus Bielefeld über den Weg. Er war gestern auch schon beim Konzert. Ich sah ihn in der 2. Reihe auf und ab hüpfen. Verrückt! Gemeinsam fuhren wir zurück und gingen anschließend zu den deutsch-chinesischen Promenaden, um die abendlichen Konzerte zu sehen. Durch die Verspätung unseres ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder verpassten wir leider die Band "Mit", denn das Programm wurde um Herrn Schröder rumgestrickt. Schade. Bemerkenswert allerdings ist, dass Herr Schröder hier in China immer noch mit "Herr Bundeskanzler" angeredet wird. Hier verliert man seinen Titel eben einfach nicht.
Nach dem Konzert von Super 700 sind wir dann mal in unsere Hotelbar gegangen im 39. Stockwerk. Das lockte mich schon seit unserer Ankunft. Auf unserem Hotel liegt nämlich ein riesengroßer, goldener Ping-Pong Ball, in dem sich die "Sky-Lounge" befindet. Diese Kugel ist mindestens so groß und rund wie der Ball des Ostberliner Fernsehturms (auch "Telespargel" genannt). Dort feierten wir in den Geburtstag von Super700-Michael hinein mit tollen Geburtstags-Ständchen auf deutsch, chinesisch, holländisch und polnisch. Und jetzt schnell ein bisschen schlafen. Morgen geht's weiter. Ich freu mich! Ik verheug! Oczekuję!
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