Suzie
26.06.2008 | Unterweeeegs mit Klee
Hallo, alle miteinander.

Heute werde ich euch eine kleine Episode aus dem "Jetset-Leben" der Kleeband erzählen und euch zu einem Blick hinter die Kulissen einer "Interviewtour" einladen.

Bevor eine Band eine neue Platte veröffentlicht, hat die interessierte Presse das Privileg, lange im Voraus mit der Band Gespräche zu führen. Dafür reist die Band quer durch die Republik in die so genannten "Medienstädte" Köln, Hamburg, Berlin und München. Dort sitzt man dann in so genannten "Szenecafes" und beantwortet Fragen, redet ausgiebig über die neue Platte, diskutiert und trinkt ca. 241 Milchkaffees.

Unsere Interviewreise begann an einem sehr heißen Montagmorgen in Köln. Das Szenecafé, dass wir uns ausgesucht hatten, war das "Geißbockheim". Das heilige Clubhaus des 1. FC Köln am Franz-Kremer Stadion.

Was einige vielleicht noch nicht wissen: Wir sind gar keine FC-Fans. Unser Herz schlägt für einen kleinen niederrheinischen Fußballverein namens Borussia Mönchengladbach. Also die zwei Herzen von Sten und Tom zumindest ... was aber im Prinzip kein Widerspruch ist, denn zumindest konnten jüngst beide Vereine den Wiederaufstieg in die erste Liga feiern, was als Verbindung zwischen uns und dem 1. FC Köln reichen sollte. Das Vereinslokal, auf dessen großzügiger Terrasse - draußen nur Kännchen - serviert wurden, war auch in der spielfreien Zeit gut besucht. Vornehmlich von Kölsch trinkenden älteren Herrschaften mit Hund. Wir bekamen einen kleinen, gemütlichen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir ungestört unsere Interviewpartner empfangen konnten. An den Wänden hingen Bilder aus besseren Fußballzeiten, und wir saßen an einem langen Tisch, wie Jogi Löw, Oliver Bierhoff und Prinz Poldi während einer Pressekonferenz. Das muss für die Journalisten sicherlich ähnlich skurril gewirkt haben, wie für uns. Trotzdem hatten wir hatten jede Menge Spaß und es tut uns immer noch leid, für den armen Journalisten, der unglücklicherweise zum sehr weit entfernten Müngersdorfer Stadion (das eigentlich Rheinenergiestadion heißt) gefahren ist, um dann, total verschwitzt und abgehetzt, doch noch zu uns zu finden, um das Interview führen zu können. Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.

Am nächsten Tag ging es morgens früh nach Hamburg. Dort hatten wir uns in einem besonders charmanten Lokal einquartiert. Der Strandperle. Eine mit dem Auto nicht zu erreichende Oase der Ruhe, direkt am Elbufer, gegenüber Hamburgs gigantischem Containerhafen gelegen.

Es war wie ein Tag am Meer. Die Sonne gab sich größte Mühe, die hartnäckigen, dunklen Regenwolken zu vertreiben, und so konnten wir das ein oder andere Interview sogar mit nackten Füßen im weichen Elbsand führen. Wir waren uns einig: An diesem Tag waren alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Es war wie ein Tag am Meer. Die Sonne gab sich größte Mühe, die hartnäckigen, dunklen Regenwolken zu vertreiben, und so konnten wir das ein oder andere Interview sogar mit nackten Füßen im weichen Elbsand führen. Wir waren uns einig: An diesem Tag waren alle zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Abends ging es dann bereits weiter nach Berlin. Nach einer kurzen Nacht wartete auf der windigen Spreeblick-Terrasse unserer Plattenfirma Universal schon das erste Diktiergerät auf uns. Danach hatte VIVA viele Fragen zum Thema Fußball und Mode an uns, die wir im Windkanal vor der Oberbaumbrücke mit viel Körpereinsatz beantworteten. Die dann folgenden Interviews wurden im geheimen Konferenzraum im 7. Stockwerk hinter großen, verschlossenen Türen abgehalten, bis es dann auch allerhöchste Eisenbahn wurde, zum Flughafen aufzubrechen, um den Flieger nach München zu erwischen. Was wir da allerdings noch nicht wussten, war, dass wir auch zu Fuß und in Gänseschrittchen nach Schönefeld hätten laufen können: Das Flugzeug hatte Verspätung.

Beim Check-in hieß es noch, dass es sich nur um eine Stunde handeln würde. Was ja auf jedem anderen Flughafen der Welt okay gewesen wäre, nur nicht in Schönefeld. Schönefeld ist wie eine Fata morgana. Ein Flughafen, der nur so tut, als wäre er ein Flughafen. Eine Riesengarage im Nichts. Und das soll DER Flughafen der Hauptstadt werden? Na dann viel Glück! Nach der versprochenen einstündigen Verspätung, hatte der Flug zwei Stunden Verspätung, weil es in Bayern angeblich regnete.

Nachdem wir die zweite Stunde schweigend auf ein ebenso schweigendes Rollfeld gestarrt hatten, sind wir durch den X-ray-Bereich zum Gate gegangen, wo wir weitere Informationen erhalten sollten. Mittlerweile hatte so ziemlich jedes Flugzeug Verspätung. Immer noch mit der Begründung, dass es in Bayern regnet.

Was mir bei der Sicherheitskontrolle schon auffiel, war, dass die sonst so freundlichen Berliner doch einen recht angespannten Eindruck machten. Außerdem piepte es bei mir, weil ich ein altes Kaugummipapier in der Hosentasche hatte. Nach einer weiteren, der mittlerweile dritten Stunde Wartezeit, bekamen wir von der Fluggesellschaft als Trostpflaster einen Gutschein über 10 Euro, den wir überall am Flughafen einlösen konnten. Doof nur, dass der Kiosk und die Bar schon lange dicht gemacht hatten. So reihten wir uns in die unendlich lange Schlange vor dem einzigen offenen Kiosk ein. Nach einer weiteren Stunde sprach der Flugkapitän über die Lautsprecher zu uns. In so einer typischen Pilotensprache, die ähnlich kryptisch ist, wie das, was Ärzte so auf ihre Rezeptblöcke krakeln. Verstehen konnte man nur irgendetwas von "Landeerlaubnis" und "dass es in Bayern immer noch regnet". Die ersten Fluggäste ließen sich schon in flughafennahe Hotels bringen, doch wir gaben nicht auf! Tatsächlich, nach schlappen vier Stunden durften wir endlich in die Maschine einsteigen. Die Erleichterung, dass wir letztendlich doch noch München erreichen würden, überwog den ganzen Ärger und schon bald sollten wir auch den wahren, lächerlichen Grund der Verzögerung erfahren: George W. Bush. Dieser Mann, der am Tage Berlin einen Besuch abgestattet und dann mit sechs schwarzen, gepanzerten Limousinen direkt in seine Air Force One gefahren worden war, hat nicht nur den ganzen Verkehr aufgehalten, sondern auch mein Kaugummipapier piepen lassen.

Um ein Uhr nachts prosteten wir uns müde mit einem Augustiner Bräu zu, während es in München tatsächlich anfing zu regnen.

Der Tag in München begann, wie die anderen Tage auch, mit einem Interview. Mittlerweile können wir schon am Aufnahmegerät des Journalisten erkennen, für welches Genre er oder sie schreibt. Die Geräte der Musikjournalisten sind im Vergleich zu denen der Boulevardjournalisten selten digital und niemals neu. Umso souveräner bedienen erstere die Aufnahmetaste: Zeig mir dein Diktiergerät und ich sag dir, wer du bist. Nach einem weiteren Interviewmarathon für die unterschiedlichsten Gazetten, Journale, Zeitungen, Zeitschriften und Internetportale neigte sich der Abend zu uns nieder und ein so genanntes "Münchner Schnitzel" wollte seine panierte Premiere auf unseren Gaumen feiern. Das "Münchner Schnitzel" unterscheidet sich insofern vom klassischen "Wienerschnitzel", als es zwar genauso platt geklopft, jedoch zusätzlich noch mit Senf und Meerrettich eingerieben wird. Ein bayrischer Hochgenuss.

Nach etlichen Halben wurde dann irgendwann auch geschlafen und am nächsten Morgen ging es, mit Weißwürstchen im Gepäck, zurück nach Köln. Auf der langen Zugfahrt haben wir die aufregende Interviewtour noch einmal Revue passieren lassen und sind zu dem Fazit gekommen, dass wir uns glücklich schätzen können, mit so vielen Menschen über das zu reden, was uns mehr als alles andere am Herzen liegt: die Musik.

 

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