Unsere Maschine, ein ziemlich grosses Exemplar uebrigens, hob puenktlich um 17:20 in Frankfurt ab.
Irgendwo ueber dem baltischem Meer ging nach etwa drei Stunden und einem leckeren Abendessen dann auch schon die Sonne unter... aber -weil wir ja in oestlicher Richtung flogen- auch nach zweieinhalb Stunden wieder auf! Verrueckt.
An Schlaf war, ausser bei den mitreisenden Chinesen (die diesen Flug offensichtlich schon oefter gemacht hatten und darin geuebt zu sein schienen), nicht zu denken. Viel zu aufregend war das alles: ein heimlicher Blick aus den verdunkelten Fenstern zeigte einem solch unglaubliche Landschaften wie die Wueste Gobi und wenig spaeter dann auch die ersten Plateaus mit Reisanbau..
So vergingen die 10 Stunden zwar nicht wie im Flug, aber dennoch recht kurzweilig.
Spannend wurde es dann aber direkt nach der Landung: die Stimme aus dem Cockpit erklaerte, dass alle Passagiere bitte sitzenbleiben sollten, denn es kaemen Beamte des chinesischen Gesundheitsministeriums in die Maschine, die alle Reisendenden mit einem Waermescanner checken wuerden.
Was folgte war wie eine Szene aus einem Science Fiction Thriller ueber eine boese Alien-Seuche, die die Menschheit in Angst und Schrecken versetzt: 10 uniformierte Personen mit Mundschutz und seltsamen "Laserpistolen" bewaffnet, gingen durch die Gaenge und zielten jedem einzelnen Passagier mit ihren Geraeten mitten auf die Stirn.
Diejenigen von uns, die kurz vor der Landung, dann doch noch kurz eingeschlummert waren, dachten wohl, sie wuerden noch traeumen, so absurd erschien die Szenerie.
Und so ploetzlich wie er begann, so schnell war der Spuk dann auch schon vorbei und es wurde uns klar, dass wir soeben alle auf eventuelle Temperatursymptome der beruechtigten Schweinegrippe "untersucht" worden waren!
Wow. So ein futuristisches Fiebertermometer haett ich auch gern! ;)
Am Pekinger Flughafen, nach weiteren gefuehlten 17 Kontrollen zu selben und anderen Themenbereichen, hatten wir dann einen Zwischenstopp von zwei Stunden, bevor es mit Air China nach Shenyang, unserer ersten Station, weitergehen sollte.
Der Flug war kurz und holprig und unglaublich warm.
War das eine Vorwarnung auf die Schwuele, die uns, wie wir gehoert hatten, erwarten sollte?
Apropos "erwartet": das wurden wir dann in Shenyang von unsren Betreuern Lisa und "Klinsi", die ein grosses "KLEE-Schild" in die Luft hielten als wir aus der Schleuse traten. Chinesen geben sich oft und gern europaeische Vornamen. Manchmal werden sie einem auch "verliehen" und so kam Wang, wie er eigentlich heisst, aus noch nicht geklaerten Gruenden, zu dem fuer unsere Ohren doch reichlich sonderbar anmutenden Spitznamen des ehemaligen Bayerntrainers.
(Ob Wang von den aktuelleren biografischen Entwicklungen seines Namensvetters wusste? ; )
Vorbei an endlosen Reisfeldern, auf einer Autobahn auf der offensichtlich auch Traktoren und Fahrradfahrer gedultet werden, ging es hinein in die 10-Millionen Metropole Shenyang.
Ueberwaeltigend die Eindruecke: ein Gewimmel von Menschen, Hochhaeuser wohin man blickt. Dazwischen ein scheinbares Chaos aus Autos, Handkarren, Mopeds, Kleinhaendlern, Garkuechen, Denkmaelern, etc. pp.
Viel zu viel fuer unsere uebernaechtigen Koerper.
Weil wir aber dennoch nicht einfach ins Bett fallen konnten, denn zu aufregend war das natuerlich alles fuer uns, haben wir nach dem Einchecken ins (tolle!) Hotel, dann noch einen ausgiebigen Spaziergang unter der fachkundigen Fuehrung von Lisa (einer Deutsch-Studentin) gemacht.
Unsere eigentlich klitzekleinen mueden Augen wurden schlagartig riesengross und unsere Muender standen wahrscheinlich die meiste Zeit offen vor Staunen.
Das mit den offenen Muendern muss Lisa anders gedeutet haben, denn sie schlug nun vor, essen zu gehen.
Da es zwar erst halb sechs war, wir aber tatsaechlich auch noch nicht viel im Magen hatten, war uns dieser Vorschlag aber sehr willkommen.
So klang der erste Tag in China so aus, wie man es sich ertraeumt: vor einer reich gedeckten Tafel mit allerlei unbekannten Koestlichkeiten.
Wir sind ueberwaeltigt und komplett begeistert und koennen den naechsten Tag kaum erwarten, doch ein wenig Schlaf muss nun wirklich mal sein.
"Wan an!"
Kommentare