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China - Tag 2 in Shenyang
13.06.2009 | Suzie
China - Tag 2 in ShenyangNach einer kurzen Nacht versammelten wir uns am Morgen in der Hotelobby, um die neue, uns noch fremde Welt zu entdecken. Wir waren gerade ein paar Schritte aus dem Hotel heraus, und schon wurden wir überwältigt von der unglaublichen Geschäftigkeit, der Hektik und der für uns außergewöhnlichen Geräuschkulisse. Direkt gegenüber unseres Hotels reihen sich dutzende kleine Geschäfte aneinander: Tabakshop, Minisupermarkt, Elektrogeschäft, Metzger, Frisör, Fingernagelstudio, Blumengeschäft und zwischendurch bunte Obstläden, die ihre Waren in Körben vor der Tür präsentieren und sich in ihrem Obstangebot gegenseitig übertreffen. So haben wir eine Obstverkäuferin beobachtet, die jede einzelne ihrer Kirschen mit einem Tuch blitzeblank rieb und sie zu kunstvollen Pyramiden stapelte. Auf den Bürgersteigen sieht man nicht selten Männer sitzen, die sehr emotional Karten spielen und ihre Karten mit einer weit ausholenden Armbewegung auf den Spieltisch schmeißen und sich nicht stören lassen von den Lautsprechern, die vor vielen Geschäften positioniert sind, um in einer wahnsinnig schrillen Lautstärke Audioschleifen abzuspielen, was aber außer uns keiner sonst zu registrieren scheint. Wir taumelten an den unterschiedlichsten Straßenverkäufern vorbei, die Kakteen, Fleischspieße oder Maiskolben anboten.
Wir wichen Fahrrädern, Motorrollern und Autos aus und versuchten in diesem Durcheinander, unsere Faszination auf Film und Fotos festzuhalten. Besonders beeindruckend ist tatsächlich der Geräusch-Pegel in dieser Stadt. Nicht allein, dass Autos an sich schon lärmen, nein: Anscheinend gehört es hier zum guten Ton, zu hupen und zwar, wann immer man kann. Die Autos hupen, die Motorräder hupen, die Mofas hupen, die Fahrräder hupen und die Fußgänger würden wahrscheinlich auch noch gerne hupen, wenn sie nicht auf die schlaue Idee gekommen wären, sich mit einer Trillerpfeife Weg zu verschaffen.
Eine kleine Merkwürdigkeit sei am Rande erwähnt, die aber bei näherer Betrachtung wirklich sinnvoll ist und zumindest das Hupen der Motorroller, Mofas etc. erklärt. Bei uns sind ja gerade diese Vehikel die größten Krachmacher im Straßenverkehr, hierzulande allerdings sind sie nahezu geräuschlos, denn sie werden alle elektrisch betrieben, und da ist man als Fußgänger doch sehr froh, dass die Fahrer solcher Zweiräder gerne und häufig Gebrauch von ihrer Hupe machen.
Es ist also, anders als bei uns, wohl eher ein fürsorgliches Hupen.
Nach ein paar abenteuerlichen Straßenüberquerungen lernten wir auch das "neue" China kennen, riesige Kaufhäuser versprachen Glück durch alle erdenklichen Luxusartikel. Wir passierten McDonalds, Starbucks und diverse andere gesichtslose Kettenrestaurants, liefen an unzähligen Baustellen vorbei, wo riesige Hochhäuser mit Hilfe eines Bambusgerüsts hochgezogen werden.
Das alte und das neue China geben sich die Hand.
China und Deutschland geben sich, bildlich gesehen, auch die Hand, denn das Ziel unseres Ausfluges war die Eröffnungsveranstaltung der Reihe: "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung". Vor der großen Bühne saßen viele hochoffizielle Politiker, Botschafter, Minister und seriös gekleidete Menschen. Es wurden viele Reden gehalten, und nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung wurden in Sekunden die Stühle beiseite geräumt, und genauso schnell füllte sich der Platz und die für diesen ersten Abend geplanten Konzerte konnten beginnen. Wir liefen noch ein wenig über die deutsch-chinesische Promenade und schauten uns die Pavillions an, die während der 9tägigen Veranstaltung Informationen über Deutschland beherbergen. Im chinesischen Paulaner-Biergarten, mit Bierbänken und Brezeln, wunderten wir uns über die charmante Technik, mit einem Stohhalm eine Currywurst zu essen bzw. aufzuspießen und gingen dann, nachdem wir uns zur Live Musik von Doro Pesch noch ein wenig im Headbanging geübt hatten, zurück ins Hotel.
Den Tag wollten wir dann gemeinsam gemütlich in der Hotelbar ausklingen lassen, aber daraus wurde leider nichts, denn kaum hatten wir Platz genommen in der Hotel eigenen Irish Bar, wurde der Barsound unterbrochen und zur großen Überraschung aller enterte die deutsche "Heavymetal-Queen" abermals die Bühne und gab ein kleines Aftershow Konzert. Der Hotelmanager freute sich über so viel Action, und als er uns sah, fragte er gleich, ob wir morgen nach unserem Konzert nicht auch einen Aftershow-Gig in der Bar geben wollten..?
In China hat man eben nirgendwo seine Ruhe ;-) |
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