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Xanten - APX, "Tag der Begegnung"
16.05.2009 | Sten
Xanten - APX, "Tag der Begegnung"Als ich klein war, wollte ich unbedingt Archäologe werden und verschollene Dinge aus längst vergangenen Zeiten entdecken und ausgraben, vielleicht ja sogar Atlantis. Das wär`s doch! Vielleicht hatte dieser - verhältnismäßig exotische - Berufswunsch auch damit zu tun, dass ich nicht allzu weit von unserem heutigen Auftrittsort entfernt aufgewachsen bin und so manchen Sonntagnachmittag mit meinem Vater im Archäologischen Park in Xanten verbracht habe, wo man, wie selten anderswo, die römische Vergangenheit erleben kann. Es gibt dort die fast komplett erhaltene römische Siedlung "Colonia Ulpia Trajana" mit Türmen, Tempeln, Mauern und einem echten, richtig großen Amphitheater zu bestaunen. Mit vierzehn fuhr ich dann zum ersten mal allein dort hin, mit Freunden auf dem Mofa. Und zwar, um im dortigen Amphitheater (dem nördlichsten je gebauten übrigens) mein allererstes Rock-Konzert zu erleben. Die Gruppe hieß übrigens BAP. Und vielleicht war es das Ambiente, oder der Song "Do kanns zaubre", oder aber die Magie, die in diesem "befreiten" Teenie-Sommerabend steckte, jedenfalls wich der Archäologe in mir, bis heute, dem Musiker. Was ich an diesem Abend nicht wusste: Suzie war damals ebenfalls im Publikum. Auf dem Schultern eines erwachseneren Freundes, weiter vorne im Rund. Wir kannten uns jedoch noch nicht, denn ich ging in Geldern, sie hier in Xanten zur Schule. Als wir uns einige Jahre später kennenlernten, spielte diese Episode einer eher untergeordnete Rolle. Heute allerdings ist es eine immer wieder gern erinnerte Anekdote. Vor allem auch mit unseren (inzwischen) Freunden von BAP.
Dieser nun erste KLEE-Auftritt an diesem Ort hatte also von Anfang an schon etwas besonderes und magisches...
Dass wir hier heute auf dem "Tag der Begegnung" spielen würden, machte ihn für uns noch besonderer!
Die Organisatoren vom LVR hatten uns Anfang des Jahres gefragt, ob wir uns eine musikalische Teilnahme vorstellen könnten und wir haben diese große Ehre sehr gern und begeistert angenommen. Zur Erklärung sei gesagt, dass an diesem Tag Menschen mit und ohne Behinderung zusammenkommen und gemeinsam die dort angebotenen unterschiedlichsten Angebote wahrnehmen können: feiern, spielen, Musik hören und machen und tausend andere Dinge mehr. Einen so tollen Tag musikalisch auf der großen Bühne im Amphitheater beschließen zu dürfen, hat uns mit großer Dankbarkeit und Freude erfüllt. Um auch ein wenig von dieser Freude teilen zu können, hatten wir uns im Vorfeld schon entschieden, extra für diesen Anlass einen Song zu komponieren. Durch die Unterstützung des LVRs konnten wir schließlich sogar die Idee verwirklichen, diesen Song im Studio aufzunehmen und eine CD herstellen zu lassen, die wir nun am heuten Tag in Xanten kostenlos verteilen wollten.
Auf dieser CD ist auch ein Film zu sehen, der am Tag der Aufnahmen im Studio entstanden ist. Ein für uns unvergesslicher und wunderschöner Tag, denn wir waren nicht, wie üblich, allein im Aufnahmeraum, sondern hatten Besuch und kollegiale Hilfe von ganz vielen wunderbaren Menschen. Da waren beispielsweise Melissa und Sebastian, die beide nicht sehen können, uns aber am Klavier und durch ihr unglaubliches musikalisches Verständnis verzaubert haben. Genauso wie die gehörlose Familie Nistor, die den Tag mit ihrem außergewöhnlichen Rhythmusgefühl und ihrer herzlichen Art bereicherten. Aber auch all den anderen Gästen, deren Namen auf der CD und im Abspann des Films (auch zu sehen auf unserer Webseite) nachzulesen sind, gebührt unserer innigster Dank für dieses gemeinsame Erlebnis und die gemeinsame Arbeit. Gespannt waren wir natürlich, wie nun der dort im Studio entstandene Song "Wir halten zusammen" heute in Xanten auf der Bühne (er)klingen würde.
30.000 Menschen und mehr hatte es an diesem schönen Tag in den APX gezogen. Und als wir um 16 Uhr an die Instrumente und Mikrofone traten, war ein Großteil davon im Halbrund des antiken Theaters versammelt und bescherte uns einen überwältigenden Empfang. Begleitet von Gebärdensprachendolmetschern begrüßten wir unser Publikum und auch unsere Überraschungsgäste: Denn auch heute waren Melissa und Sebastian und auch Familie Nistor anwesend, um uns bei "Wir halten zusammen" zu unterstützen. Der Applaus nach dem Song zauberte uns ein Lächeln in die Gesichter und eine nicht enden wollende Gänsehaut auf Arme und Rücken. Dieser Auftritt hätte auch gut und gerne noch einige Stunden länger dauern dürfen, aber nach etwa einer Stunde, um kurz nach 17 Uhr, mussten wir leider aufhören. Nicht jedoch ohne noch einmal das speziell für diesen Anlass geschriebene "Wir halten zusammen" zu spielen. Diesmal bat Suzie alle, die sich trauten und Lust hatten, auf die Bühne zu uns.... und Augenblicke später sahen wir uns umringt von dutzenden, wenn nicht gar hunderten, kleiner und großer Menschen mit und ohne Behinderung. Und alle alle sangen und klatschten mit. Auf und vor der Bühne! Ein unbeschreibliches Gefühl von Gemeinschaft! Und weil das wohl ganz viele so empfanden, durften wir nicht gehen, bevor wir das Lied ein insgesamt drittes Mal gespielt hatten. So etwas wird keiner von uns sicher jemals vergessen. Vielen vielen Dank!
Diesen Tag werden wir, wie einen Schatz, immer in unseren Herzen bewahren. Und man braucht kein Archäologe zu sein, um ihn immer wieder hervorzuholen und sich daran zu erfreuen.
Fotos: Gerd Hermann Gall, Leif Strehlow
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