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Russlandreise / Moskau, Kazan
23.04.2009 | Suzie

Russlandreise / Moskau, Kazan

Die Reise nach Kazan 23. April - 27. April 2009 Wie bereitet man sich als Band auf eine Reise in ein Land vor, das man bisher nur aus zauberhaften Märchenerzählungen, leidenschaftlichen Liedern und Nachrichtensendungen kennt? Wie geht man mit der großen Vorfreude um, auf Einladung der Robert-Bosch- Stiftung, der Deutschen Botschaft in Moskau und des deutschen Zentrums der Universität Kazan, in eben dieser Hauptstadt von Tartastan ein Konzert zu spielen? Man kauft sich einen russischen Sprachführer mit Audiobegleitung, bekommt eine persönliche Einführung über die Besonderheiten des Landes und Gepflogenheiten der Leute (Danke noch mal an Anne Sorge), übt die russische Version von "Nicht immer aber jetzt", bis ein Knoten in der Zunge ist, packt ausreichend dicke Socken und einen Schal in den Koffer, schmiert sich noch schnell ein Hasenbrot und steigt pünktlich in das Flugzeug nach Moskau. Da saßen wir nun, Oli, Sten, Tom, Daniel, Pele, Pese und ich, angeschnallt auf sieben Sitzen, und was für eine Überraschung - eine Sitzreihe vor mir nahm doch tatsächlich ein uns sehr vertrautes Gesicht Platz. Es war Ralf aus Bielefeld, unser treuer Fan, der fest entschlossen war, sein 232stes Klee Konzert in Kazan nicht zu verpassen. Na, dann konnte ja nix mehr schief gehen. Suzie und die sieben Zwerge flogen also in die weite Ferne. Am Flughafen in Moskau mussten wir uns aber schon wieder von Ralf trennen, denn wir nutzten die Stunden bis zur Weiterfahrt nach Kazan, um uns die Hauptstadt Russlands etwas näher anzuschauen. Wir wurden professionell am Gate abgeholt. Sylvia hieß unsere Stadtführerin, und sie empfing uns mit einem großen Schild, auf dem "KLEE" zu lesen war. Und da begann unser großes Abenteuer. Da Moskau natürlich viel zu groß ist, um an einem Tag touristisch fotografiert und besichtigt zu werden, haben wir uns nur einen besonderen Teil ausgesucht, und was guckt man sich da als deutscher Tourist wohl an? Selbstverständlich die Landebahn von Matthias Rust: Den roten Platz. Und was soll ich sagen, im schönsten Sonnenuntergang standen wir da, wo wir sonst nur Gerd Ruge im Fernsehen haben stehen sehen. Die bunte Basilius Kathedrale vor uns, rechts der Kreml und Lenins Mausoleum, links das prächtige Warenhaus GUM. Fantastisch und irgendwie unwirklich. Um sich selbst zu beweisen, dass man wirklich da war, weil man es kaum fassen und begreifen kann, haben wir unendlich viele Bilder gemacht. Dann sind wir der Kreml-Mauer folgend und vor allem pfeifend zur Moskwa geschlendert, um dann in der Moskauer Metro ein optisches und akustisches Festival zu erleben. Die Metro-Stationen erinnern an Paläste. Mit Mosaiken, Fresken und Kronleuchtern geschmückt gleicht kein Bahnhof dem anderen. Die Rolltreppen fahren in einer schwindelerregenden Geschwindigkeit zugspitzenmäßig rauf und runter. Am unteren Ende der kilometerlangen Berg- und Talfahrten sitzt jeweils ein Rolltreppenbeamter und beobachtet das emsige Geschehen. In den Verbindungsgängen wird das Tempo nochmals angehoben, und es handelt sich hier um eine Gangart, die kurz vor Endspurt genannt werden kann. Das vorherrschende Geräusch dort unten musste von uns auch erstmal analysiert werden, denn was man da unten hört, ist mit keinem uns bislang bekanntem U-Bahn Geräuschemeer vergleichbar: Wenn man ein tausendköpfiges Orchester zusammenstellen würde, und die Musiker anstelle von klassischen Musikinstrumenten mit zwei kleinen Hämmern aus einem handelsüblichen Laubsägenkoffer auf eine Steinfliese klopfen würden, dann käme man dem merkwürdigem Klang schon nahe. Das Geheimnis des Geräusches war nicht weniger spektakulär wie sein Klang. Man musste nur an den an uns vorbeirauschenden Menschen herunterschauen, und schon war der Fall gelöst: Es waren die Schuhe. Vornehmlich die Schuhe der weiblichen Bevölkerung, die mit ihren mindestens 12 cm hohen Pfennigabsätzen eine Urkunde für den Wettlauf auf dem Metroparkour verdient hätten. Dieses Phänomen sollte uns während unseres gesamten Aufenthalts in Russland noch begleiten. Ohne Silvia wären wir rest- und rastlos verloren gewesen in dieser Stadt, die, sehr zur Freude unseres Schlagzeugers Daniel, die Partnerstadt von Düsseldorf ist. Nach einem gemütlichen Abendessen, bestehend aus Borschtsch und Blinis, ersteres ist eine russische Kohlsuppe mit Rote-Beete-Geschmack und zweiteres ein zusammengerollter Pfannekuchen mit Hackfleischfüllung, zu beiden und sowieso zu fast allen Gerichten isst man in Russland sehr gerne Schmand, welches eine hoffentlich kalorienärmere Variante der Creme Fraiche ist, nach diesem festlichen Schmaus sind wir dann also in den Nachtzug nach Kazan gestiegen. Einem Zug wie aus einer anderen Zeit - nein, um ehrlich zu sein: nicht nur "wie" aus einer anderen Zeit, sondern tatsächlich aus einer anderen Zeit. Geschätzte 50 Jahre hatten Lokomotive und Waggons schon mindestens auf dem Buckel. Stimmungsvoll und passend war das alles aber trotzdem, denn die Strecke nach Kazan ist gleichzeitig auch die erste Etappe der transibirischen Eisenbahn, und genau so, wie man sich einen solchen Zug vorstellt, sieht er auch aus. Von aussen wie von innen. Wir kamen uns einmal mehr vor, wie in einem alten Film. (Wären da nicht die gefühlten 387235 Fußballfans von Spartak Moskau gewesen, die ebenfalls die 14 Stunden Fahrtzeit auf sich nahmen um am nächsten Tag ihre Mannschaft in Kazan unterstützen zu können.... - ihre Lieder mussten sie ganz offensichtlich während der halben Nacht nocheinmal üben) Erschöpft und immer voller toller Eindrücke von der russischen Metropole rollten wir in unseren Schlafabteilen vor uns hinträumend vierzehn Stunden der Stadt entgegen, die uns für die bevorstehenden vier Tage Heimat und für den Rest unseres Lebens in schönster Erinnerung bleiben sollte. Der morgendliche Blick aus dem Zugfenster bewies uns, dass der Frühling in der tartarischen Taiga noch auf sich warten ließ: die Seen rechts und links der Eisenbahntrasse waren grösstenteils noch zugefroren und die Menschen in den vorbeirauschenden Taigadörfern trugen immer noch dicke Mäntel und Fellmützen. Endlich in Kazan angekommen, wurden wir von Anne Sorge in Empfang genommen und wenig später dann auch von Anne Hafenstein begrüsst, die uns während unseres weiteren Aufenthalts allerbestens betreut und umsorgt hat. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und das Gepäck verstaut hatten, bekamen wir von der charmanten Marina, die am deutschen Institut in Kazan studiert, auch schon unsere erste kleine Stadtführung. Sie führte uns in den wunderschönen Kazaner Kreml. Seit Jahrhunderten Sitz der Tartarischen Regenten. Dort besichtigten wir die Kul Scharif Moschee. Die größte Moschee Russlands und wahrscheinlich sogar Europas. Mit ihren türkisblauen Dächern auch eines der Wahrzeichen der Stadt. Sehr beeindruckend. Im Kreml konnten wir ausserdem unzählige Hochzeitsgesellschaften sehen, die sich vor der Kulisse der historischen Gebäude und Denkmäler und der im Hintergrund schimmernden Wolga, mit ihren weißen Brautkleidern fotografieren ließen. Dann war es auch schon Zeit, zum Konzert der Abschlussveranstaltung der Kulturwoche des deutschen Zentrums zu gehen. Dort wurde u.a. ein kleines Konzert am Flügel gegeben, Gedichte vorgelesen und gesungen. Alles sehr sehr liebevoll und für unsere Verhältnisse ungewohnt feierlich: es wurden Preise verliehen und Urkunden für die Darbietungen verteilt. Überraschend und unerwartet wurde auch uns diese Ehre zu teil und wir bekamen eine festliche Urkunde für unseren (allerdings erst noch zu leistenden) Beitrag im Sinne der internationalen kulturellen Verständigung. Und das obwohl wir gerade erst ein paar Stunden in Kazan waren. Bei der kleinen Dankesrede haben wir direkt noch alle Gäste zu unserem am nächsten Tag stattfindenden Konzert eingeladen. Um zum verabredeten Abendessen zu gelangen, lernten wir eine für Russen typische und für uns sehr außergewöhnliche Art der "öffentlichen Verkehrsmittel" kennen. Man stellt sich einfach an den Straßenrand und hält ähnlich wie beim "per Anhalter fahren" die Hand raus, und schon sehr bald hält ein Fahrzeug an. Man bespricht mit dem Fahrer des Wagens, wo man hin will und was man bereit ist dafür zu geben, und schon können alle die ins Auto passen einsteigen, und das private Fahrzeug wird sozusagen zum Taxi. Sehr praktisch und eine wunderbare Form der "Nachbarschaftshilfe". Wir waren sichtlich beeindruckt. Zum Abendessen gab es eine weitere Spezialität des Landes: Schaschlik. Glücklich und sehr satt schlummerten wir in den Samstag. Als erstes stand eine weitere Stadtbesichtigung auf unserem Plan. Marina erwartete uns schon, als wir mit noch müden Augen -schließlich gibt es einen mehrstündigen Zeitunterschied zwischen Kazan und Köln- am Platz vor der Universität ankamen. Aber als die ersten Sonnenstrahlen hinter der einzigen Statue, die Lenin in Studentenuniform zeigt, hervorguckten, war jegliche Müdigkeit verflogen, und wir lauschten gespannt den Erklärungen und Geschichten, die Marina zu erzählen wusste. So liefen wir über die Prachtstraße von Kazan, hielten an Denkmälern inne, lernten vieles über die verschiedenen architektonischen Besonderheiten, schlenderten über die Fußgängerzone, bewunderten erneut die Brautkleider der strahlenden Bräute im und um den Kreml und waren bewegt von der traurigen Geschichte einer tatarischen Prinzessin. Iwan der IV.,auch als Iwan der Schreckliche bekannt, wollte sie, nachdem er Kazan erobert hatte, zur Frau nehmen. Der Legende nach hat die Prinzessin dieser Verbindung nur unter einer Bedingung zugestimmt, nämlich dass Iwan ihr innerhalb einer Woche einen Turm bauen sollte, der genau so schön ist wie sie und höher als alle Gebäude der Stadt. Iwan der Schreckliche ließ diesen Turm innerhalb von sieben Tagen bauen, und so musste sie ihn heiraten. Daraufhin sprang die tatarische Prinzessin von diesem Turm, und damit die Geschichte nicht allzu tragisch und traurig endet sagt man, dass sie als ein Schwan auf die Erde stürzte. Dieser sagenumwobene Sujumbike-Turm steht auch noch heute im Kazaner Kreml. Der Abend rückte näher und somit auch unser Konzert. Nach unserem Soundcheck wurden Stühle aufgereiht für die einberufene Pressekonferenz. Die Journalisten waren alle bestens vorbereitet und stellten uns sehr interessante Fragen über unsere Musik. Da wir ja leider noch nicht so gut russisch verstehen oder sprechen können, waren wir dankbar, dass uns die Fragen und Antworten von den Deutsch-Studentinnen Luisa, Emira, Olga und Jana übersetzt wurden und dann ging es auch schon los. Der Klub Tinkoff füllte sich recht schnell, sicherlich auch aufgrund der Plakate, die in der ganzen Stadt klebten und mit den drei wundervollen Worten: "energisch, erotisch, elegantisch" für uns warben. Und dann ging es los. Nach einer Begrüßungsrede enterten wir die Bühne im "Tinkoff". Die Stimmung war riesig. Das Publikum klatschte, tanzte und sang sogar mit. Somit war Ralf, der seinen Stammplatz in der ersten Reihe verteidigen musste, nicht der einzige. Fantastisch! Ich versuchte zwischendurch die Lieder auf Russisch anzusagen. Das hatte mir Anne freundlicherweise vorher in Lautschrift übersetzt. "Mui budjem kak solota" sollte z.B. die Ansage zu "Gold" sein und ich glaube, man hat mich sogar verstanden, denn der Klub Tinkoff kochte beinahe über. Das gab mir den Mut, in der Zugabe unseren Song "Nicht immer aber jetzt" komplett in Russisch zu singen. Natürlich nur im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten. "Ne fsegda, no prjamo tschas" las ich von meinem mitgebrachtem Pfuschzettel ab. Als das Konzert zu Ende war, kamen wir kaum von der Bühne runter. Ich bekam eine duftende rosafarbene Rose von einem charmanten Zuschauer überreicht, und mit der höflichen Bitte um Autogramme und Fotos wurden wir mit den freundlichsten Komplimenten bedacht. Pele berichtete sogar ganz stolz, dass er den Titel "bester Bassist Europas" verliehen bekam. Wir standen noch, bis der Klub zu machte, alle zusammen an der Theke und verständigten uns mit Händen und Füßen und, was soll ich sagen, wir werden die Erinnerung an diesen Konzertabend - für mindestens zehntausend Jahre, wie einen Schatz, sicher bewahren. Spassiba balschoje. Dlja nas -ta bolschoi prasnik- buitch sd's swami! Der Sonntagmorgen, und damit unser letzter Tag in Kazan, begann früh. Wir machten einen Ausflug zu einer Datscha, einer Art Wochenendhaus außerhalb der Stadt und etwas ganz typisches wie auch besonderes in Russland. Wir waren zu diesem großem Ereignis höchst offiziell eingeladen worden von Olga Donetzkaja, der Vorsitzenden Dame des deutschen Zentrums in Kazan in Verbindung mit der Robert- Bosch Stiftung, einer Olga, deren Nachname ich leider nicht mehr weiß, aber sie ist eine Mikrobiologie-Professorin an der Universität und dem Herrn Andrej, auch seinen Nachnamen kann ich leider nicht wiederholen, aber er ist einer der Vorsitzenden des DAAD. Alle drei sind wirklich vornehme Koryphäen und waren wie gesagt so freundlich uns einzuladen. Während der vierzigminütigen Fahrt zur Datscha konnte ich noch eine Besonderheit des russischen Straßenverkehrs ausfindig machen, und gerne würde ich dem Herrn Tiefensee diese Innovation unterbreiten.: An Ampeln gibt es nämlich kleine Digital-Anzeigen, die einen Countdown herunterzählen, der den Verkehrsteilnehmern zeigt, wie viele Sekunden die Ampel noch auf grün bzw. rot steht. Ich finde, das ist eine sehr nützliche und hilfreiche Einrichtung. Als wir an der Datscha angekommen waren, schien die Sonne auf den noch vorhandenen Restschnee ringsumher. Die Datscha selbst war ein sehr großzügiges Holzhaus mit einem etwas kleineren Nebengebäude, der Banja. Eine Banja ist sozusagen die russische Version einer Sauna - nur viel, viel heißer. Nachdem wir alles ausgiebigst inspiziert hatten, spalteten sich die Lager in die Gruppe, die so mutig war, die Sauna auszuprobieren und die anderen, die einen Spaziergang in der Umgebung bevorzugten. Ich selbst gehörte zu der Banja-Bande. Apropos Spaziergang: Dieses Wort war für mich die perfekte Eselsbrücke für das russische Wort "Spassiba", was übersetzt "Danke" heißt. Diese Eselsbrücke war allerdings nicht lange notwendig, denn wir gebrauchten dieses Wort schliesslich so gern und selbstverständlich wie häufig, denn Grund zur Dankbarkeit gab es oft und reichlich. Andrej führte uns in die Kunst des "richtigen" Saunierens ein. Er empfahl uns, Filzhüte zu tragen, denn die Banja ist so heiß, dass die Feuchtigkeit aus den Haaren verdampft. Er erklärte uns den richtigen Gebrauch des Wasserhahns und der Abkühlung mit der Birkenrute. Dazu wird einer der Saunagänger als "Birkenrutenpräsident" auserkoren, der die anderen mit den nassen Zweigen abklopft. Was für einen Spaß wir im "Kühlschrank des Teufels" hatten! Dann gab es auch schon wieder etwas zu Essen. Schaschlik vom Schwein und vom Hammel. Köstlich! Dazu wurde exquisiter Wodka gereicht und die ein oder andere kleine aber obligatorische Rede gehalten. Nach dem opulenten Mahl gab es Tee mit einer tatarischen Spezialität: Tschak Tschak. Das ist eine Art Kuchen bestehend aus kleinen, länglichen Puffreis ähnlichen Teigstücken, die zusammen geklebt sind mit Honig. Sehr köstlich, sehr süß, sehr kalorienreich. Olga erzählte uns dabei eine Legende über die Entstehung des Brauches, Tee zu trinken. Und zwar gab es einen Bauern und seine Frau. Der Bauer musste hinaus aufs Feld. Seine Frau fragte ihn, was sie ihm zu Essen bringen solle? Er antwortete ihr, dass er das haben möchte, was ihr am allerbesten geschmeckt hat. Als der Bauer zur Tür hinaus war, begann die Frau, sämtliche Speisen zu kochen. Fleisch, Gemüse, Kartoffeln, und sie probierte alles. Zum Schluss bereitete sie sich einen Tee. Nach dem reichhaltigen Mahl schmeckte ihr der Tee am Besten. Also brachte sie ihrem Mann nichts anderes als Tee hinaus aufs Feld. Nach dem harten Arbeitstag war der Bauer natürlich nicht sonderlich erfreut darüber und war seiner Frau auch nicht sonderlich freundlich gestimmt. Wir tauschten noch weitere Anekdoten und Geschichten miteinander aus, bis es wieder Richtung Kazan Zentrum ging. Dort besuchten wir einen Supermarkt. Und auch hier wieder unverhofft ein neues Abenteuer: Bevor man in den Supermarkt darf, werden einem die Handtaschen in Plastikbeutel eingeschweißt. Das ist völlig normal. Nur haben wir vergessen, die Beutel nachher wieder abzunehmen, und so liefen wir mit unseren in Plastik eingeschweißten Taschen zum deutschen Haus, wo wir von den Studenten zum Abendessen eingeladen waren. Es herrschte bereits ein emsiges Treiben in der Küche und im Esszimmer. Und auch der Tisch war bereits mit allerlei Köstlichkeiten bedeckt. Es gab Wurst, Käse, Brot, allerlei Knabbereien und Gemüse, sowie Pelmenis, das sind kleine gefüllte Teigtaschen, so etwad wie die russischen Verwandten der Tortellinis. "Herz was willst du mehr"? Wir lernten, wie man richtig Wodka trinkt, nämlich auf gar keinen Fall zusammen mit Bier. Man beißt schlicht und ergreifend in eine pfeffrige Gurke oder wahlweise in eine Tomate. Nach der dritten Runde Wodka stößt man traditionell auf die Freundschaft an, was wir voller Inbrunst auch taten. Wir knabberten die beliebten, getrockneten Tintenfischfäden, die Pele anfänglich für Käse hielt und sich sehr über den starken Fischgeschmack wunderte. Und wir probierten die kleinen getrockneten Fischchen, die man zum Bier verzehrt, so wie bei uns gesalzene Erdnüsse. Salzig waren auch die, sehr salzig sogar. Sie schmecken fast wie Salmiak Lakritze, aber nach dem ersten vorsichtigen Versuch schmeckte diese Spezialität auch uns ganz ausgezeichnet. Dieser Abschlussabend war einfach wunderschön. Es war lustig, gesellig und voller Seele. Zum Schluss aber auch traurig, da wir von so vielen herzlichen und liebevollen Menschen Abschied nehmen mussten. Jeder von uns bekam noch Geschenke und eine Urkunde mit ganz persönlicher Widmung. Wir danken allen, die diesen wunderbaren Abend und auch die Tage zuvor begleitet und ermöglicht haben: Anne, Viktoria, Jana, Olga, Luisa, Elmira, Marina, Thilo, Wjasheslav und allen, allen, anderen. Es war für uns ein unvergleichliches Erlebnis. Wir sind froh und dankbar über dieses Festival der Sinne, das wir in den vier Tagen dort feiern durften, über die Menschen die wir kennen lernten und in unsere Herzen geschlossen haben. Uns ist so unendlich viel Liebe entgegen gebracht worden und wir hoffen, dass wir mit diesen Zeilen, zumindest annähernd, etwas mit all denen, die nicht dabei waren, teilen können. Ist es nicht wunderbar, dass die Musik eine Sprache jenseits der Sprache ist und uns trägt? Uns zu Menschen trägt, die ein großes offenes Herz haben, in andere, ferne Länder, bis nach Kazan...

Danke!

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