|
Dresden Beatpol 05.11.2008 | Suzie
Dresden BeatpolLiebes Tagebuch
„Wissenswertes, Wissenswertes über Erlangen“ dieses Mantra von Foyer des Arts spukt seit gestern wie ein Gespenst in meinem Kopf herum. Dass Erlangen nicht im Sauerland liegt, sondern in Franken, wusste ich schon vorher, aber dass Erlangen so ein bezaubernder Ort ist, war mir neu, und so verabschiedete sich Erlangen heute früh von uns mit strahlendem Sonnenschein und wir uns in T-shirts und kurzen Hosen von Erlangen, um nach Dresden zu fahren. Fahren ist dann doch übertrieben, richtiger wäre: um nach Dresden zu schleichen. Nachdem wir uns auf die Fahrzeuge verteilt hatten, ging es in aller Herrgottsfrühe los. Meine Knie bis an die Stirne gedrückt, rollte die Karawane gen Osten. Auf zu neuen Ufern.
Direkt in meinem Ohr hockten „Antony and the Johnsons“, und während das idyllische und bayerische Wein- und Hopfenanbaugebiet an mir vorbei schlenderte, verließ mich die Gegenwart, und eine süße Fee namens Schlaf nahm meine Hand und führte mich in ein Land aus Milch und Honig.
Als ich die Augen wieder öffnete war der Honig weg, aber die Milch noch da. Man konnte die Hand vor den Augen nicht sehen und diesmal nicht, weil Moses bereits seine 184ste Zigarette raucht, sondern weil der Himmel auf die Erde gefallen ist und wir uns willensstark durch den Nebel des Grauens hindurch tasteten. Nach Staffel Nummer 3 unserer neuen Lieblingsserie „Little Britain“ parkierten wir bereits schon vor dem ehemaligen „Starclub“ der sich, wegen unserer Plattenfirma, in „Beatpol“ umbenennen musste.
Nachdem ich mich in Wien schon selber zur „Miss Sachertorte“ und in Zürich zur „Miss Kräuterzückerli“ gekürt hatte, küre ich mich heute zur „Miss Load In“ - in Null Komma Nix hatte ich den kompletten Wagen mit Hänger alleine ausgeladen und alles ruckizucki die Treppen hinauf in den wunderschönen Konzertraum getragen. Das Beatpol erinnert mich an ein altes Theater in New York, wo ich vor Jahren zusammen mit Franz Dinda „My Fair Lady“ gespielt habe. Das ist natürlich Quatsch, aber das Beatpol könnte tatsächlich auch in London sein, denn es hat so was von „Swinging London“. Der Backstagebereich ist ein Traum. Es ist dort wie in einer gemütlichen Wohnung, und am frühen Abend wehte uns dann auch der heimelige Duft von einem Sonntagsbraten um die Nase. Mmmh! So schnell waren die Laptops noch nie zugeklappt. Was haben Bands eigentlich früher, als es noch keine Transportcomputer gab, gemacht? Wahrscheinlich nix...
Dann ging es los. Und wir gingen durch die Wand. Ja richtig gelesen: durch die Wand. Denn im Beatpol gibt es Geheimgänge, und so sind wir unbemerkt, wie kleine Mäuse, direkt hinter die Bühne gelangt. Noch schnell ein „Que sera,sera“, was uns der wunderbare Tom Liwa beim ersten Konzert in Duisburg mit auf unsere Reise gegeben hat, gesungen, und rauf auf die Bühne. Der Sommer ist vorbei und unsere Tour leider auch schon bald, aber das Dresdner Publikum hat diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis werden lassen.
Es war absolut super!
Und das lässt mich die süße Melancholie, die mich immer gegen Tourende umarmt und mit mir in den Tourbus einsteigt, leichter ertragen. Und so freuen sich meine Melancholie und ich schon auf morgen.
Auf die Moritzbastei in Leipzig.
Que sera!
Suzie
|